Heilpraxis Hilbich

HPU/KPU: Die unterschätzte Stoffwechselstörung und ihre Verbindung zu Histamin, Lipödem & Co

Im Zuge meiner Auseinandersetzung mit Histamin und Mastzellen bin ich immer wieder auf ein Thema gestoßen, das mir zwar bekannt war, das ich aber noch nicht in dieser Tiefe betrachtet hatte: HPU beziehungsweise KPU. Weil sich die Zusammenhänge zu Histamin und auch zu anderen Beschwerdebildern zunehmend deutlicher zeigen, möchte ich das Thema heute mit Ihnen teilen.

Was ist HPU/KPU überhaupt?

HPU steht für Hämopyrrollaktamurie, KPU für Kryptopyrrolurie. Beide Begriffe werden häufig synonym verwendet, meinen aber nicht ganz dasselbe.

Bei beiden handelt es sich um eine Störung im Häm-Stoffwechsel. Häm ist ein zentraler Baustein vieler Enzyme im Körper, unter anderem für den Sauerstofftransport, die Entgiftung in der Leber und die Energiegewinnung in den Mitochondrien. Wird Häm fehlerhaft aufgebaut, entstehen dabei giftige Zwischenprodukte, sogenannte Pyrrole, die der Körper über den Urin ausscheiden muss.

Der Unterschied zwischen HPU und KPU wird in der Fachliteratur nicht ganz einheitlich beschrieben. Häufig werden beide Begriffe synonym verwendet, es gibt aber auch Konzepte, die sie klarer trennen:

  • KPU wird oft als Störung im Abbau von Häm beschrieben, ausgelöst durch äußere oder innere Belastungsfaktoren wie Gifte, Medikamente oder eine Dysbiose im Darm. Sie kann dadurch auch vorübergehend auftreten oder wiederkehren. Gemessen werden dabei unspezifisch alle Kryptopyrrole im Urin.
  • HPU wird von vielen als Störung im Aufbau von Häm verstanden, meist genetisch bedingt und dauerhaft bestehend. Der Nachweis erfolgt spezifischer über den sogenannten HPL-Komplex.

Da es zu dieser Unterscheidung unterschiedliche Auffassungen gibt und die Begriffe in der Praxis oft synonym verwendet werden, spreche ich im Folgenden der Einfachheit halber von HPU/KPU.

Wichtig zu wissen: HPU/KPU ist wissenschaftlich noch nicht offiziell als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. In der funktionellen und orthomolekularen Medizin ist es jedoch ein Konzept, mit dem viele Therapeutinnen und Therapeuten seit Jahren arbeiten, da sich bei betroffenen Patientinnen häufig reproduzierbare Muster in Symptomatik und Laborwerten zeigen. Geschätzt sind etwa 10 % der Frauen und 1 % der Männer betroffen.

Warum HPU/KPU so oft übersehen wird

Die Beschwerden bei HPU/KPU sind sehr vielfältig und lassen sich nur schwer auf eine einzelne Ursache zurückführen. Deshalb wird die Störung in der Fachliteratur häufig als „Chamäleon“ bezeichnet.

Mögliche Symptome können sein:

  • Müdigkeit und Erschöpfung, die auch nach ausreichend Schlaf bestehen bleibt
  • Stressintoleranz
  • Immunschwäche, häufige Infekte
  • Angsterkrankungen, Stimmungsschwankungen
  • Schilddrüsenprobleme
  • Verdauungsbeschwerden
  • Muskelschwäche, Gelenk- und Bewegungsapparat-Beschwerden
  • Schlafstörungen
  • Zyklusstörungen

Weil diese Symptome so unspezifisch sind, wird HPU/KPU in der klassischen Diagnostik häufig gar nicht in Betracht gezogen und Betroffene bleiben oft jahrelang ohne befriedigende Erklärung für ihre Beschwerden.

Warum gehen bei HPU/KPU Vitalstoffe verloren?

Der Kernmechanismus ist relativ einfach nachvollziehbar: Die fehlerhaft gebauten Pyrrole binden auf ihrem Weg zur Niere im Blut an die aktive Form von Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phosphat, kurz P5P), Zink und teilweise auch Mangan. Diese wichtigen Cofaktoren werden dann gemeinsam mit den Pyrrolen über den Urin ausgeschieden, dem Körper gehen sie dadurch verloren.

Das betrifft vor allem drei Schlüsselstoffe:

  • Vitamin B6 (P5P): unerlässlich für den Histaminabbau über die DAO, die Bildung von Neurotransmittern wie Serotonin und GABA sowie die Magensäureproduktion.
  • Zink: zentral für das Immunsystem, die Schilddrüsenfunktion, die DAO-Aktivität und die Stabilisierung der Mastzellen.
  • Mangan: unterstützt unter anderem den Schutz der Mitochondrien.

Ein Mangel an diesen Stoffen kann sich über die Zeit auf viele verschiedene Körperfunktionen auswirken, was den vielfältigen Symptomkomplex bei HPU/KPU erklärt.

Der Zusammenhang zu Histamin und MCAS

Leben mit chronischen Erkrankungen Mannheim

Genau hier schließt sich für mich der Kreis zu meinem letzten Beitrag über Histaminintoleranz und MCAS. Die Cofaktoren, die bei HPU/KPU verloren gehen, nämlich Vitamin B6, Zink und Mangan, spielen eine zentrale Rolle beim Histaminabbau: B6 und Zink sind wichtige Bausteine der DAO, die Histamin aus Nahrung und Darm abbaut. Auch der zweite Abbauweg über die HNMT hängt indirekt mit HPU/KPU zusammen, da die Bildung von SAMe, dem wichtigsten Cofaktor der HNMT, wiederum auf eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen angewiesen ist.

Das bedeutet: Liegt eine HPU/KPU vor, kann das den Histaminabbau über beide Wege zusätzlich erschweren, weil dem Körper die notwendigen Bausteine fehlen. Zudem trägt ein Zinkmangel auch zu einer geringeren Stabilität der Mastzellen bei, was die Histaminausschüttung zusätzlich begünstigen kann. Häufig sehe ich in der Praxis auch mindestens zwei gleichzeitig bestehende Mangelzustände, wenn eine Abbaustörung des Histamins vorliegt, was diesen Zusammenhang zusätzlich untermauert.

Weitere mögliche Zusammenhänge: Schilddrüse, Lipödem & Co.

Weil die bei HPU/KPU verlorenen Cofaktoren an so vielen Stellen im Körper gebraucht werden, zeigt sich die Auswirkung selten nur in einem Bereich.

Schilddrüse: Zink und Mangan spielen auch für die Schilddrüsenfunktion eine Rolle. Bestehen hier bereits Auffälligkeiten, kann ein zusätzlicher Mangel durch HPU/KPU die Situation erschweren.

Lipödem: Mastzellen finden sich auch im Fettgewebe und können dort entzündliche Prozesse fördern. Ihre Stabilität hängt unter anderem von einer ausreichenden Versorgung mit Zink ab, einem der Stoffe, die bei HPU/KPU häufig fehlen. Liegt also gleichzeitig eine HPU/KPU und eine erhöhte Mastzellaktivität vor, können sich beide Themen gegenseitig verstärken.

Immunsystem und Bewegungsapparat: Auch wiederkehrende Infekte, Autoimmungeschehen oder Beschwerden an Muskeln und Gelenken werden in der funktionellen Medizin im Zusammenhang mit HPU/KPU diskutiert, da die betroffenen Cofaktoren auch hier wichtige Aufgaben übernehmen.

Für die Praxis heißt das: Bei komplexeren, schwer zuzuordnenden Beschwerdebildern, egal ob rund um Lipödem, Schilddrüse oder das Immunsystem, kann sich ein Blick auf die eigene Vitalstoffversorgung lohnen.

Wie wird HPU/KPU getestet?

Die Diagnostik erfolgt über einen Urintest, entweder als Morgenurin- oder als 24-Stunden-Test. Wichtig für ein aussagekräftiges Ergebnis:

  • Mindestens zwei Wochen vor dem Test keine B-Vitamine (insbesondere B6) und kein Zink einnehmen
  • Der Test sollte nicht während der Menstruation, nicht nach einer Antibiotikaeinnahme und nicht im Urlaub durchgeführt werden, da die Ausscheidung stressabhängig ist
  • Der Test sollte im normalen Alltag stattfinden, um ein realistisches Bild zu bekommen

Meine Einschätzung

HPU/KPU ist ein Thema, das in der klassischen Medizin bislang wenig Beachtung findet, in der funktionellen Medizin aber zunehmend als wichtiges Puzzleteil bei komplexen, schwer zuzuordnenden Beschwerdebildern verstanden wird. Besonders im Zusammenspiel mit Histamin- und Mastzellthemen sowie bei Lipödem, Schilddrüse und dem Immunsystem kann ein Blick auf die eigene Vitalstoffversorgung wertvolle Hinweise liefern.

Wichtig ist mir dabei: HPU/KPU ersetzt keine anderen diagnostischen Schritte und ist kein Freibrief für wahllose Nahrungsergänzung. Eine strukturierte Testung und eine individuell abgestimmte Begleitung sind entscheidend, um wirklich herauszufinden, was hinter den eigenen Beschwerden steckt.

Eva Hilbich, Heilpraktikerin

Eva Hilbich arbeitet seit 2023 als Heilpraktikerin in der Mannheimer Innenstadt. Ihr Herzensthema sind Lipödem, Lymphödem und chronische Erkrankungen – Themen, die sie auch aus eigener Erfahrung kennt. Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz begleitet sie Menschen auf dem Weg zu mehr Lebensqualität und Selbstermächtigung. Auf ihrem Blog teilt sie fundiertes Wissen und praktische Alltagsstrategien.