Etwa jeder fünfte Deutsche ist im Laufe seines Lebens von Reizdarm betroffen und die Dunkelziffer ist vermutlich noch deutlich höher. Die meisten Betroffenen kämpfen jahrelang mit Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, oft ohne eine wirklich befriedigende Erklärung zu bekommen. Stattdessen bekommen sie eine Diagnose, die mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet: Reizdarm.
In meiner Praxis begegnet mir das regelmäßig. Menschen die seit Jahren diese Diagnose tragen, die viel ausprobiert haben und trotzdem nicht wissen, was in ihrem Körper eigentlich los ist. Dieser Beitrag soll etwas Licht ins Dunkel bringen.
Reizdarm ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet: Erst wenn alle anderen bekannten Darmerkrankungen abgeklärt wurden und nichts Auffälliges gefunden wird, wird die Diagnose Reizdarm gestellt. Offiziell orientiert man sich dabei an den sogenannten Rom-III-Kriterien.
Die Beschwerden müssen innerhalb der letzten sechs Monate mindestens zwölf Wochen lang bestanden haben und mit mindestens zwei der folgenden Merkmale einhergehen:
Typische Symptome sind Verstopfung, Durchfall oder beides im Wechsel, Blähungen, Völlegefühl und Übelkeit.
In der Praxis erhalten viele Betroffene diese Diagnose bereits sehr früh und ohne wirklich umfangreiche Diagnostik. Eine vollständige Stuhldiagnostik, ein Atemtest zum Ausschluss von SIBO oder eine gezielte Untersuchung auf Unverträglichkeiten und Pilzbelastung fehlen dabei häufig.
Reizdarm ist selten eine eigenständige Erkrankung. Mögliche Ursachen und Zusammenhänge die ich in der Praxis häufig sehe:
Eine Dysbiose: Also ein Ungleichgewicht der Darmflora mit zu vielen schädlichen und zu wenigen nützlichen Bakterien, manchmal mit Beteiligung von Candida oder Clostridien.
Leaky Gut: Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, die das Immunsystem dauerhaft auf Trab hält.
SIBO: Eine Fehlbesiedlung des Dünndarms mit Bakterien, die dort eigentlich nichts verloren haben und durch Gärungsprozesse Beschwerden verursachen.
Eine Verdauungsschwäche auf Ebene des Magens, der Bauchspeicheldrüse oder der Leber , wenn die Nahrung nicht ausreichend aufgespalten wird, entsteht im Darm eine Belastung.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten gegenüber Laktose, Fruktose oder Sorbit, die oft nicht gezielt getestet wurden.
Histaminthematik: Ein Thema das bei Reizdarm häufig übersehen wird.
Auch ernstere Erkrankungen wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder in seltenen Fällen Krebserkrankungen können sich hinter Reizdarmsymptomen verbergen. Diese müssen immer sorgfältig ausgeschlossen werden.
Ein Aspekt der beim Reizdarm besonders wichtig ist und in der Schulmedizin oft zu kurz kommt: der Zusammenhang zwischen Darm und Psyche.
Gehirn und Darm stehen in einem engen, bidirektionalen Austausch über den Vagusnerv, über Hormone und über das Mikrobiom. Etwa 90 Prozent der Informationen fließen dabei vom Darm ans Gehirn, nicht umgekehrt. Die Darmflora ist an der Regulierung von Stressreaktionen, der Ausschüttung von Stresshormonen und sogar an Gedächtnis, Emotionen und Stressempfinden beteiligt.
Das hat sehr praktische Konsequenzen: Dauerstress verändert das Mikrobiom. Ein verändertes Mikrobiom kann wiederum ganz ohne äußere Einflüsse zu erhöhter Cortisolausschüttung führen. Ein Kreislauf, der sich selbst befeuert.
Bestimmte Bakterienstämme, vor allem Laktobazillen und Bifidobakterien, können dazu beitragen, den Cortisolspiegel zu regulieren.
WICHTIG: Das bedeutet nicht, dass Reizdarm „nur Stress“ sondern zeigt viel mehr das dadurch körperliche Veränderungen entstehen.
Bei Frauen lohnt es sich, einen zusätzlichen Blick auf den Zyklus zu werfen. Viele Betroffene berichten von zyklusabhängig verstärkten Beschwerden. Hormone beeinflussen die Darmmotilität und das Mikrobiom direkt.
Es kann sinnvoll sein, ein Schmerzprotokoll im Zyklusverlauf zu führen, um Muster zu erkennen. In manchen Fällen lohnt sich auch eine hormonelle Abklärung oder der Blick auf gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose, die sich ebenfalls mit Darmbeschwerden äußern kann.
Reizdarm ist für mich kein Endpunkt sondern ein Startpunkt. In einem ausführlichen Erstgespräch schaue ich mir gemeinsam mit Ihnen die gesamte Vorgeschichte an: Verdauung, Ernährung, Stressbelastung, Hormone, soziales Umfeld und Psyche. Oft steckt dahinter eine riesige Geschichte die gehört werden möchte.
Auf dieser Basis entscheide ich mit Ihnen ob und welche weiterführende Diagnostik sinnvoll ist: zum Beispiel eine Stuhldiagnostik die Dysbiosen, Schleimhautmarker, Immunstatus und Verdauungsleistung erfasst, ein Atemtest zum Ausschluss von SIBO, oder die Abklärung von Unverträglichkeiten. Falls noch keine gastroenterologische Abklärung stattgefunden hat, verweise ich gegebenenfalls auch dorthin.
Dann gehen wir Schritt für Schritt vor. Denn meistens ist es kein einzelner Faktor sondern ein Zusammenspiel aus mehreren Dingen, das sich über Zeit aufgebaut hat. Und genauso braucht es Zeit, es wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Als Heilpraktikerin in Mannheim begleite ich Menschen mit Lipödem, Darmerkrankungen und chronischen Beschwerden. Mit Zeit, Empathie und einem ganzheitlichen Blick. Vereinbaren Sie gerne ein kostenloses telefonisches Erstgespräch
Eva Hilbich arbeitet seit 2023 als Heilpraktikerin in der Mannheimer Innenstadt. Ihr Herzensthema sind Lipödem, Lymphödem und chronische Erkrankungen – Themen, die sie auch aus eigener Erfahrung kennt. Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz begleitet sie Menschen auf dem Weg zu mehr Lebensqualität und Selbstermächtigung. Auf ihrem Blog teilt sie fundiertes Wissen und praktische Alltagsstrategien.