Als Heilpraktikerin und selbst Betroffene von Lipödem und Lymphödem begegne ich in meiner Praxis täglich Frauen, die sich fragen, warum sie sich vor der Periode aufgebläht fühlen, trotz gesunder Ernährung nicht abnehmen oder warum die Beine schwer wirken.
Ein Teil der Antwort liegt im Darm – genauer gesagt im Östrobolom. Dies ist kein neuer Trend, sondern ein faszinierendes Zusammenspiel zwischen Darmbakterien und Hormonen.
Der Darm kann als komplexe „Fabrik“ betrachtet werden, in der Millionen von Bakterien arbeiten. Einige dieser Bakterien haben eine besondere Aufgabe: Sie beeinflussen, ob Östrogen ausgeschieden oder wieder in den Blutkreislauf aufgenommen wird.
Diese „Hormon-Abteilung“ des Darms wird Östrobolom genannt.
Die Bakterien produzieren Enzyme, wie β-Glucuronidase, die Östrogene aktivieren oder inaktiv machen. Ist das Estrobolom im Gleichgewicht, funktioniert der Östrogenabbau reibungslos. Ist es gestört – beispielsweise durch Antibiotika, Stress, einseitige Ernährung oder Darmprobleme – kann dies zu einer Östrogendominanz führen, die sich in verschiedenen Symptomen äußern kann.
Östrogen beeinflusst nicht nur den Zyklus und die Fortpflanzung, sondern auch:
Bindegewebe
Fettverteilung, besonders an Beinen, Hüfte und Po
Wasserhaushalt
Lymphsystem
Entzündungsprozesse
Bei Lipödem reagiert das Gewebe besonders empfindlich auf Östrogen. Wenn der Östrogenabbau gestört ist, können folgende Beschwerden verstärkt auftreten:
Wassereinlagerungen und Schwellungen
Gewichtszunahme an typischen Lipödem-Stellen
Starke PMS-Symptome mit Stimmungsschwankungen
Schweregefühl in den Beinen
Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
Zyklusstörungen
In der Praxis zeigt sich häufig, dass Frauen trotz gesunder Ernährung, Sport und Kompressionstherapie weiterhin kämpfen. Ein Blick auf Darm und Hormone kann hier wertvolle Hinweise liefern.
Ein gestörtes Östrobolom kann bei verschiedenen Erkrankungen eine Rolle spielen:
Lipödem & Lymphödem
Überschüssiges Östrogen kann die Fettverteilung verstärken und den Lymphabfluss erschweren. Viele Patientinnen berichten, dass vor der Periode Schmerzen und Schwellungen deutlich zunehmen.
PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom)
Hier liegt häufig ein Ungleichgewicht zwischen Östrogen, Progesteron und Androgenen vor. Ein gesundes Östrobolom kann helfen, die Hormonsituation zu stabilisieren.
PMS & Menstruationsbeschwerden
Ein zu hoher Östrogenspiegel kann PMS-Symptome wie Brustspannen, Wassereinlagerungen und Stimmungsschwankungen verstärken.
Wechseljahre
In den Wechseljahren verändert sich nicht nur die Östrogenproduktion, sondern auch das Östrobolom. Dies kann Hitzewallungen, Gewichtszunahme und Erschöpfung beeinflussen.
Die Darm- und Hormonbalance lässt sich gezielt fördern:
1. Darmgesundheit stärken
Probiotika und Präbiotika in die Ernährung integrieren (z. B. fermentierte Lebensmittel, Ballaststoffe)
Gegebenenfalls therapeutische Darmsanierung
Ausreichend Flüssigkeit
2. Leber und Galle unterstützen
Die Leber ist zentral für den Hormonabbau. Unterstützung kann erfolgen durch:
Bitterstoffe (Artischocke, Löwenzahn, Radicchio)
Leberfreundliche Ernährung (wenig Alkohol, Zucker, verarbeitete Lebensmittel)
Bewegung und ausreichender Schlaf
3. Ballaststoffreiche Ernährung
Ballaststoffe binden überschüssiges Östrogen im Darm und fördern die Ausscheidung. Gute Quellen sind Gemüse, Leinsamen, Flohsamenschalen und Hülsenfrüchte.
4. Stress reduzieren
Chronischer Stress beeinflusst Cortisol und die Darmgesundheit, wodurch das Estrobolom gestört werden kann. Entspannungstechniken wie Yoga, Spaziergänge oder bewusste Pausen können helfen.
5. Individuelle Beratung
Jede Frau ist unterschiedlich. Was bei der einen Wirkung zeigt, muss bei der anderen nicht ausreichen. Gerade bei Lipödem ist ein auf die individuelle Situation abgestimmtes Konzept häufig entscheidend.
Ein gesunder Darm und ein funktionierender Östrogenabbau können PMS, PCOS, Wechseljahresbeschwerden und Lipödem-Symptome positiv beeinflussen.
Dies ersetzt keine medizinische Therapie, kann jedoch eine wertvolle Ergänzung sein. Häufig sind es genau diese „unsichtbaren“ Zusammenhänge, die den Unterschied machen.
Eva Hilbich arbeitet seit 2023 als Heilpraktikerin in der Mannheimer Innenstadt. Ihr Herzensthema sind Lipödem, Lymphödem und chronische Erkrankungen – Themen, die sie auch aus eigener Erfahrung kennt. Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz begleitet sie Menschen auf dem Weg zu mehr Lebensqualität und Selbstermächtigung. Auf ihrem Blog teilt sie fundiertes Wissen und praktische Alltagsstrategien.